Mittwoch, 22. August 2018

Princess Zuleika: Beherrscherin der Träume

Princess Zuleika
Ein Interview ist immer auch ein kleines Experiment. Schließlich weiß man im Vorfeld nie, wie wichtig der Interviewpartnerin das Ganze ist. Gute Interviews zeichnen sich meiner Meinung dadurch aus, dass man in den Antworten die Persönlichkeit der Interviewten spürt. Sind die Antworten dagegen eher uninspiriert, einsilbig und abweisend, dann ist das Interview weniger glücklich gelaufen. 

Bei Princess Zuleika ist die Persönlichkeit zum Glück überaus deutlich zu spüren. Die junge attraktive Femdom pendelt zwischen Zürich und dem Rhein-Nackargebiet und lässt sich gedanklich ungern in Schubladen einsortieren. Viel Spaß mit den Fragen und Antworten.


Lady Sas: Liebe Zuleika, wie bist Du auf den bizarren Bereich aufmerksam geworden? Wie fing das alles bei Dir an und wie ging es dann weiter?
Princess Zuleika: Begonnen habe ich zunächst als Model vor der Kamera neben meinem Studium. Nach und nach interessierte mich die Fetisch- v.a. Latexfotografie zunehmend, da Fetisch und BDSM auch zunehmend mehr Platz in meinem Privatleben einnahmen. Wie jeder andere Mensch war auch ich in der Findungsphase, testete viel aus und lernte meine Stärken und Schwächen, meine Vorlieben und Abneigungen kennen. Ich habe mich dazu entschieden, gewerblich als Fetischmodel und Bizarrlady zu agieren, da ich dadurch die Möglichkeit erhalten habe, meine persönlichen Leidenschaften noch intensiver, noch ausgefallener und noch zielgerichteter auszuleben und gleichzeitig anderen die Möglichkeit zu bieten, dies ebenfalls mit mir gemeinsam zu tun und Neues zu erleben. Es ist kein Job, sondern Selbstverwirklichung, Leidenschaft gepaart mit viel Neugierde.


Princess Zuleika im Interview


Lady Sas: Die meisten dominanten Damen lassen sich mit Herrin, Madame oder Lady ansprechen, Du bevorzugst „Princess“. Wie kommt das und wie ist Dein Selbstverständnis?
Princess Zuleika: Den Spitznamen „Prinzessin“ hat mir vor langer Zeit mal jemand verpasst. Nach und nach entwickelte sich ein running gag, den ich mir dann auch im BDSM Bereich zu Nutze machte. Frech, verspielt, manchmal launen- und divenhaft, aber immer mit einem selbstironischen Unterton. Ein Mädchen, das sich sein kleines kinky Prinzessinnenreich aufbaut. Eine Metapher, die mir damals gut gefallen hat und heute noch gefällt. Mit der Anrede „Herrin“ konnte ich noch nie viel anfangen und ich fühle mich selten wirklich ladylike. Ich bin einfach zu locker, entspannt und halte mich nicht gern an Konventionen. Es fällt mir schwer, auf die gewisse Attitude zu achten, die ich persönlich von einer klassischen Lady erwarte und an einer solchen auch schätze. Ich selbst aber sitze im Schneidersitz, tunke Kekse in den Kaffee und bestelle grundsätzlich ein Radler statt eines Aperitifs.



Princess Zuleika
Lady Sas: Was reizt Dich am bizarren Spiel?
Princess Zuleika: Ich lebe verschiedene Facetten von BDSM und Fetisch und genieße das Spiel mit den Sinneswahrnehmungen und Emotionen. Das Überwinden von Ängsten, das Abtauchen in andere Welten, das Wachsen an Aufgaben… Ich mag die Ästethik eines Körpers in glänzendem Latex oder in dekorativen Fesselungen. Ich liebe das Ausgefallene und BDSM ist für mich Kunst, Selbstverwirklichung und Ausbruch aus bekannten Mustern.



"Ich will selbstständig und frei agieren" – Princess Zuleika


Lady Sas: Du hast in verschiedenen Büros gearbeitet. Was hat Dir daran nicht gefallen und warum ist Deine jetzige Tätigkeit als kinky princess besser?
Princess Zuleika: Aus verschiedenen Gründen kann ich hier nicht auf Details meiner ehemaligen Büroerfahrungen eingehen. Fest steht für mich jedoch, dass ich nie wieder meine Zeit hinter einem Schreibtisch vergeuden möchte und mir von mir vermeintlich Übergeordneten auch nicht mehr sagen lassen will, wieviel Zeit ich mir nun für dies oder jenes nehmen darf, wie ich professionelle Distanz einzuhalten habe und was ich generell zu tun und zu lassen habe. Ich bin zu freiheitsliebend, brauche den intensiven Kontakt zu meinem Gegenüber und nicht dessen Akte und will selbstständig und frei agieren.


Lady Sas: Du pendelst regelmäßig zwischen Zürich und dem Rhein-Neckar-Gebiet. Wie kommt das?
Princess Zuleika: Mein freiheitsliebender Charakter spiegelt sich auch in meinem Privat- und Beziehungsleben wider. Ich habe mehrere Orte, an denen ich mich zuhause fühle und pendle allein daher öfter. Dazu kommt, dass das Studio in Zürich, in dem ich seit 2 Jahren agiere, mittlerweile zu meinem Stammstudio wurde und Studios, in denen ich in Deutschland bisher tätig war, aufgrund des Prostituierten(Pseudo)SchutzGesetzes teilweise massive Probleme haben und ich mich in Deutschland daher weitestgehend auf meine Stammgäste und einige wenige Locations fokussiere, in denen ich in Ruhe und vor allem sicher meiner Arbeit und Leidenschaft nachgehen kann.



Das ProtSchG bringt nur Verschlechterungen mit sich – Princess Zuleika

Princess Zuleika

Lady Sas: Was hältst Du vom neuen Prostitutionsschutzgesetz und was bedeutet das ProtSchG konkret für Dich?
Princess Zuleika: Wie bereits erwähnt, bringt dieses Gesetz für Frauen wie mich ausschließlich Verschlechterungen mit sich. Es hat mich schockiert, als ich gehört habe, dass nun sogar die eingereichte Verfassungsbeschwerde abgelehnt wurde. Es ist eine absolute Schande, mit wieviel Unwissen und eingeschränkter Sicht hier agiert wird, obwohl so viele Versuche gestartet wurden, für Aufklärung zu sorgen und einen Weg zu finden, der den Betroffenen hätte wirklich helfen können, statt sie noch mehr in die Illegalität zu drängen und ihnen unnötige Pflichten aufzubürden, statt ihre Rechte zu stärken.


Lady Sas: Was kann man tun, um die Verhältnisse zu verbessern, die sich durch das neue Prostitutionsschutzgesetz ergeben haben?
Princess Zuleika: Das Gesetz wieder abschaffen... Nein, ernsthaft. Es gehört komplett überarbeitet und die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sind notwendig, um endlich mit vorherrschenden Klischees und dem immer noch spürbaren Stigma aufzuräumen. Sowohl meine Kolleginnen als auch die Gäste sollten sich mit dem Thema befassen und solidarisch zusammenhalten. Sexarbeit muss entkriminalisiert und enttabuisiert werden.
Die zur Verfügung stehenden Beschwerdeformulare sollten genutzt werden, um aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf ist. Kompetente Beratungsstellen und Organisationen, an die Sexarbeitende sich wenden können, müssen gefördert und unterstützt werden, damit auf sie eingegangen und individuelle Hilfe und Unterstützung angeboten werden kann, die wirklich da ankommt, wo sie nötig ist. Der BesD (Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.) setzt sich genau zu diesem Thema ein und freut sich über jede Unterstützung.

Princess Zuleika über den Spaß an der Keuschhaltung


Princess Zuleika
Lady Sas: Du bietest unter anderem Keuschhaltung an. Was reizt Gäste daran, sich Dir auf diese Weise auszuliefern? Und was reizt Dich daran?
Princess Zuleika: Es macht einfach Spaß, die Kontrolle über die Lust meines Gegenübers zu haben, damit zu spielen, ihn bis an den Rand des Wahnsinns zu treiben, ihn eiskalt fallen zu lassen, um direkt danach wieder von Vorn zu beginnen. Es gibt verschiedene Gründe, wieso ein Mann “keusch” gehalten werden will. Aus Gründen der Erniedrigung, um seine Rolle als Cuckold noch intensiver erleben zu können oder auch einfach, um die eigene Disziplin und Durchhaltevermögen zu stärken. Viele Gäste ertragen die Keuschhaltung auch nur mit dem Wissen, dass ich danach mit Stolz und Schadenfreude erfüllt bin. Letztendlich gilt: Hauptsache, Prinzessin hat ihren Spaß.



Lady Sas: Ist Keuschhaltung mit KG die konsequente Verlängerung von Tease & Denial?  
Princess Zuleika: Ja, das kann man so sagen. Nicht zu wissen, wann man(n) befreit und im besten Fall erlöst wird, ist doch ein netter Kick. Es bleibt spannend.



Lady Sas: Was machst Du in Deiner Freizeit?
Princess Zuleika:
Freizeit, was ist das? Haha. Als Selbstständige habe ich immer etwas zu tun. Sei es Mails checken, Website aktualisieren, Termine planen oder mein Latex polieren. Aber wenn ich dann mal wirklich Freizeit habe, verbringe ich die gern entspannt am See, vorm Fernseher (ja, ich bin manchmal ein Serienjunkie) und neuerdings im Fitnessstudio (meist mehr in der dazugehörigen Sauna statt auf der Trainingsfläche, aber man tut was man kann)


Princess Zuleika

Lady Sas: Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Princess Zuleika:
Ich möchte die Welt jeden Tag ein bisschen mehr kinky gestalten und träume von einem Fetischschloss inmitten meines selbsterbauten Prinzessinnenreichs. Peace.



Lady Sas: Lieben Dank für diese interessanten Einblicke.







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