Montag, 15. Januar 2018

Über die #Metoo und #Aufschrei Bewegung

"Es sollen halt die richtigen Männer mit einem flirten, wenn es der Falsche ist, ist es Belästigung", schreibt der Leser Mr Hyde auf welt.de zur #Metoo und #Aufschrei Dabatte. Ja, die Diskussion geht ganz schön durcheinander – und einigen sicher auf den Keks. Was wohl daran liegen dürfte, dass sie nicht betroffen sind. 

Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass man jemanden nicht sexuell belästigen darf. Ob es sich nun um einen Mann handelt, der eine Frau bedrängt oder eine Frau, die einem Mann an die Wäsche gehen möchte: Das geht gar nicht. Das Positive an der #Metoo Debatte ist also, dass wir das allen noch mal ins Gedächtnis rufen. Vor allem den Mächtigen, die meinen, über dem Gesetz zu stehen.


Beobachtungen zur #Metoo Bewegung 


Grundsätzlich gut finde ich es auch, wenn sich Betroffene – selbst nach vielen, vielen Jahren – nun doch noch äußern und die Schuldigen an den Pranger stellen. Fragezeichen habe ich allerdings, wenn ich sehe, wie die Presse mit diesen Anschuldigungen umgeht. Hier dürfen Schauspielerinnen zu Wort kommen und Beschuldigungen äußern. Klar, der Betroffene darf auch erklären, dass das alles nicht wahr sei, aber der Eindruck, der in der Öffentlichkeit entsteht ist eindeutig: Da muss doch etwas dran sein. Wäre es nicht sinnvoller, zur Polizei zu gehen und zum Anwalt statt zur Presse? 

Thomas Fischer, Bundesrichter a.D. und ZEIT-Autor, beschreibt in seinem lesenswerten Artikel "Ich auch! Ich auch!" noch einen anderen Aspekt: 

"Nachrichten-Formate aller bedeutenden deutschen TV-Sender berichten, Schauspielerinnen mit vergangener, gegenwärtiger oder erhoffter Popularität hätten ihr Schweigen gebrochen und ihre Agenten mitteilen lassen, dass ihnen selbst zwar nichts widerfahren sei, sie aber schon lange ahnten, dass es so etwas möglicherweise geben könne. Vorkämpferinnen haben gar bekannt, dass ihnen vor zehn Jahren bei einer Preisverleihung ein greiser Großschauspieler die Hand auf eine Hinterbacke legte, sie sich anschließend aber gleichwohl lächelnd mit ihm durch den Abend herzten, weil sie einfach zu traumatisiert waren, um die Gala zu stören."
In der Tat hat man leider den Eindruck, dass die eine oder andere Schauspielerin den Rummel nutzt, um sich wichtig zu machen und ins Gespräch zu bringen. Das relativiert und verwässert die Diskussion.


Verlieren Männer jetzt die Lust am Flirten?

Catherina Deneuve

Von Männern höre ich oft: Mensch! Als Mann darf man ja jetzt nicht einmal mehr flirten. Sofort wittern die Frauen sexuelle Belästigung. Die französische Ikone Catherine Deneuve hat sich deshalb zusammen mit 100 anderen französischen Frauen für eine Rettung des Flirts stark gemacht – und wird dafür überwiegend mit Schmutz beworfen. Ich kann ihre Position gut verstehen und hoffe, die deutschen Männer lassen sich von der #Metoo Diskussion nicht die Lust am Flirten verderben. Sonst wäre es doch langweilig im Büro, im Bekanntenkreis und beim Sport. Flirten ist das Salz im Alltag. Dass man mit Blicken und Worten flirtet, jedoch nicht mit Händen oder Drohungen, das versteht sich hoffentlich von selbst.

Als Femdom habe ich kein Problem damit, nachdrücklich Nein zu sagen und einen Mann in seine Schranken zu weisen. Ist eine meiner leichtesten Übungen. Deshalb sage ich hier an dieser Stelle erleichtert: #keinAufschrei und #MeNotToo. Klar wurde ich auch schon in einer Weise angeflirtet, die mir zu weit ging. Aber dann habe ich eben den Mund aufgemacht und gesagt: Sorry, mein Lieber, da wird nichts draus. Das kann man durchaus auch charmant sagen und so, dass der andere sich zurückziehen kann ohne gleich sein Gesicht zu verlieren. 


Was bringt die #Metoo Debatte?


Was also bringt die Debatte? Sie bringt das Thema ins Bewusstsein – und das ist gut so. Ich hoffe nur, dass die Betroffenen sich mehr an die Polizei wenden und weniger an die Medien. Und dass Männer, die sich immer korrekt verhalten haben, nicht einschüchtern lassen und das Flirten einstellen.

Findige Autoren haben sich des Themas übrigens bereits angenommen. So ist zum Beispiel schon Ende Dezember 2017 von der Autorin L. Seifert ein englisch-sprachiger Thriller erschienen. Titel: "#METOO". Und auch auf Deutsch gibt es eine Geschichte darüber. Der Autor Hardy Hardcore hat in seinem Buch "Tabulos-Casting: Wie weit geht sie für die Traumrolle?" beschrieben, wie die Psychologie solcher Fälle im Filmgeschäft funktionieren könnte. In das zweite Buch habe ich mal reingelesen und war angenehm überrascht, wie psychologisch geschickt der Autor das Ganze aufgebaut hat. Macht, Abhängigkeiten, Psychologie und Sex sind eben ein interessantes Thema. Ich bin mir daher sicher, dass der erste Hollywood-Kinofilm zum #Metoo Thema schon in der Vorbereitung ist. Hoffen wir also, dass es nicht bei einem kurzen Strohfeuer bleibt, sondern die Debatte wirklich nachhaltig und langfristig etwas in den Köpfen verändern kann. 

Wie ist Deine Meinung dazu? Hinterlasse gerne einen Kommentar. 


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