Donnerstag, 1. September 2016

Profi-Dominas, die unprofessionell arbeiten

Das Thema der unprofessionellen Profi-Herrinnen hatten wir im Dezember 2015 schon einmal. Nun bekomme ich wieder vermehrt Zuschriften dazu. Ich habe mit professionellen dominanten SM-Dienstleistungen nichts am Hut und sehe meinen Blog auch nicht als Plattform, auf dem man persönliche Differenzen austragen darf. Aber leider scheint das Thema wirklich verbreitet zu sein. Da ich weiß, dass viele Profi-Dominas meinen Blog lesen, stelle ich nun meine Sichtweise dar. Ich hoffe, es ist für beide Seiten hilfreich, wenn jemand mal ausspricht, was eigentlich klar sein sollte (es aber offensichtlich nicht überall ist).

Unprofessionelle Profi-Dominas

Ich denke, eine Domina hat eine große Verantwortung gegenüber ihrem Gast. Wenn der Gast ihr sagt, dass er nach der Session keine Spuren haben möchte, dann liegt es in der Verantwortung der Herrin, genau das sicherzustellen. Es kann keine Ausreden geben. Wer das nicht schafft, soll die Peitsche an den Nagel hängen, denn dann ist die Domina der Verantwortung nicht gewachsen. 

Oft scheint es keine Böswilligkeit zu sein, sondern schlicht Unwissenheit und mangelnde Ausbildung. Mich erreichte eine Schilderung, wonach eine Domina in einem Düsseldorfer Studio den Gast derart an den Brustwarzen malträtierte, dass er noch zwei Wochen nach der Session Blutergüsse hatte. Und das, obwohl die Dame noch in der Session davon sprach, dass der Gast ja keine Spuren wolle und sie daher manches nicht mit ihm machen könne. Interessant ist, dass es sich um eine Adresse handelt, die weithin bekannt und angesehen ist. Der Gast hat sich bei der Studioleitung beschwert und erhielt die Antwort, die Dame sei selbstständig tätig, man könne mit ihr sprechen, aber eine Wiedergutmachung sei nicht möglich. Prima, das freut den Kunden. 


Selbst angesehene SM-Studios keine Garantie mehr.

Leider muss man aus den Fällen, die mir bekannt sind, lernen, dass selbst eine bekannte, angesehene Adresse keine Garantie mehr für eine tadellose Leistung ist. Viele SM-Studios stellen sich auf den Standpunkt, nur Vermieter der Räumlichkeiten zu sein. Sicher wäre es klüger, auf die verärgerte Kundschaft zuzugehen. So verliert man Kunden. Aber so weit denken viele Betreiber leider nicht. Ihnen geht es bei Beschwerden offenbar allein darum, das eingestrichene Geld behalten zu können. Sie blocken ab und schieben der Domina die alleinige Schuld zu. Dass sie mit ihrem Namen eine tadellose Leistung versprechen und dass sich negative Vorfälle auf ihren Ruf auswirken, das sehen diese Studios nicht.


Was eigentlich klar sein sollte.

1. Wenn der Gast keine Spuren wünsch, liegt es in der alleinigen Verantwortung der Domina, das sicherzustellen.

2. SM-Studios schaden ihrem Ruf, wenn bei ihnen Dominas tätig sind, die nicht korrekt arbeiten. Es ist also in ihrem Interesse, die Damen kompetent auszubilden.

3. Alte Fotos gehören ins Fotoalbum, aber nicht auf die Studio-Website. 

4. Diskretion ist eine Selbstverständlichkeit. Die Domina hat sicherzustellen, dass sich Gäste im Studio nicht über den Weg laufen.

5. Tabus sind einzuhalten. Dazu darf es keine Ausnahme geben.

6. Besprochene Vorlieben sind zu berücksichtigen. Wenn das nicht geht, muss die Domina fairer Weise schon im Vorgespräch sagen, dass sie die Vorlieben nicht umsetzen kann oder will.

7. Ein Vor- und Nachgespräch gehört zum guten Ton. Dabei kann man Phantasien auch vorab per E-Mail klären, wenn das Spiel gleich an der Türe beginnen soll. 

Soweit meine Sicht. 
Was meinst Du?

Herzlich,
Lady Sas




Kommentare:

  1. Hallo,

    ich bin sowohl in meinen privaten Liebes- und Sexualbeziehungen überzeugte BDSMerin, biete aber auch fremden Personen beiderlei Geschlechts auf nebenberuflicher Basis entgeltliche Sessions an. Privat switche ich zwischen aktiver und passiver Passion, professionell lasse ich überwiegend als Domina bzw. Aktiva (= aktiver Part in einem d/s-freien Play) oder als gleichgesinnte Fetischkomplizin
    buchen.

    Sowohl aus rein privater als auch aus kommerzieller Perspektive halte ich es für unprofessionell / nicht zu verantworten, als Top (= aktiver Part) dem Bottom (= passiver Part) zu versprechen, daß garantiert spurenfrei gespielt wird. Es kann lediglich versprochen werden, daß "nach bestem Wissen und Gewissen" Praktiken vermieden werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit erfahrungsgemäß zu Spuren führen.

    Ob dieses Versprechen eingehalten werden kann, hängt -bei gutem Gewissen des/der Top- sowohl von dessen Wissen und Erfahrungsreichtum und der praktischen Kompetenz bzgl. des Umgangs mit den jeweils eingesetzten Toys sowie dem jeweiligen Risikolevel der gewählten Praktiken ab, aber auch von der Hautsensibilität und der Bindegewebsstärke/schwäche des jeweiligen Bottom.

    Ein Versprechen, daß eine Praktik spurenfrei ausgeübt werden kann, setzt "Safety" nicht im Hinblick auf gesundheitliche Risiken, sondern im Hinblick auf ästhetische Risiken voraus. Im BDSM (und in der Medizin! deswegen gibt es dort ja auch die ganzen Risiko-Belehrungen vor den diversen Eingriffen!) gibt es allerdings diese 100%-ige Safety -sowohl bzgl. gesundheitlichen als auch bzgl. ästhetischen Aspekten- nicht.

    Dies entspricht sowohl meiner persönlich-privaten als auch professionellen BDSM-Erfahrung (was bei 300 Menschen keine Spuren hinterläßt, kann es bei einem anderen trotz exakt gleichem Toy und gleicher Toy-Handhabung doch tun!) und auch der in meinen privaten BDSM-Kreisen vertretenen Ideologie des "risk-aware consensual kink" nicht. Man kann nicht "safe" = "sicher" spielen, sondern nur "risikobewußt" - dieses Risikobewußtsein muss sowohl beim Top als auch beim Bottom bestehen, und meiner Meinung nach liegt es im Verantwortungsbereich einer professionellen Domina, dieses Risikobewußtsein bei einem diesbezüglich naiven oder unerfahrenen Kunden zu wecken, der ein spurenfreies Play wünscht.

    Neben den Risiken der jeweils verabredeten speziellen Praktiken gibt es darüber hinaus auch die allgemeinen Risiken von BDSM.

    Die meisten Punkte, die du unter 1-7 aufführst, würde ich auf den Beisatz reduzieren, den du unter 6 genannt hast:

    Was im Vorfeld versprochen wurde, sollte eingehalten werden.

    (Es gibt Kunden, die es nicht stört, wenn sie jemandem begegnen. Welche, die auf Vor- und Nachgespräche keinen Wert legen. Es gibt Praktiken, die keiner besonderen Kompetenz bedürfen etc. )

    Im Umkehrschluß heißt dies aber auch:
    Was nicht verläßlich eingehalten werden kann, darf auch nicht im Vorfeld zugesichert werden.

    (Und wenn einem branchenüblichen Standard nicht entsprochen werden kann, sollte dies im Vorfeld explizit kommuniziert werden.)

    Ich war übrigens auch selbst schon Kundin bei Erotikdienstleister/inn/en (dasselbe gilt übrigens für Dienstleister/inn/en beliebiger Branchen) und kenne die Enttäuschung nur zu gut, wenn diese sich an vorherige Absprachen nicht halten oder Erwartungen bzgl. branchenüblicher Standards (wie z.B. die Erwartung an Diskretion bei einer Domina) nicht erfüllen.

    Viele Grüße, Sara

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  2. Ergänzung von Lady Sas: Sara bat mich, zu ergänzen, dass es sich um keinen anonymen Kommentar handelt, sondern um Lady Sara, http://www.domina-frankfurt.net/

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