Freitag, 13. Oktober 2017

Als Pegging-Expertin in der Cosmopolitan

Das Cosmopolitan Magazin 11/2017


Ein Redakteur des Frauenmagazins Cosmopolitan hatte mich angeschrieben, damit ich ihm Auskunft über das Thema Pegging gebe. Unter Pegging verseht man die anale Penetration eines Mannes, zum Beispiel mit einem Strap-on. Ein interessantes Thema dachte ich und gab bereitwillig Auskunft. 

Sexpertin in der Cosmopolitan

Mir war klar, dass von den vielen Antworten, die ich gab, nur sehr wenig in den Artikel finden würde. Nun ist der Artikel erschienen. Überschrift: "Der Sex, den alle Männer lieben". Weiter heißt es: "... auch wenn sie es selbst nicht zugeben." Das ist natürlich Unsinn. Nicht jeder Mann mag Pegging. Wer so etwas behauptet, hat keine Ahnung. 

Ich las den Artikel durch und wunderte mich an manchen Stellen über meine Zitate. Manche waren korrekt wiedergegeben, andere dagegen nicht so, wie meine Vorstellungen von wörtlichen Zitaten sind. Nach meiner Vorstellung kann man nämlich nur etwas zitieren, was jemand so gesagt hat. Sonst ist es ja kein Zitat. 

Seit wann habe ich "Kunden"?

Wirklich ärgerlich wurde ich aber, als plötzlich von meinen "Kunden" die Rede war: "Bei ihren Kunden ist ferner diese Position sehr beliebt", heißt es im Artikel. Dabei hatte ich dem Redakteur doch extra am 21. August Folgendes geschrieben: "Ich bin eine private Domina. Das heißt, ich lebe SM nur privat aus, bin also kein Profi, der Geld verlangt. Darauf lege ich Wert." Entsprechend habe ich auch keine Kunden. Ich hatte nie Kunden, ich habe keine Kunden und ich werde auch nie Kunden haben. Ich bin rein privat und keine gewerblich tätige Domina. 

Was man da missverstehen kann, ist mir schleierhaft, zumal ich am 23. August sogar noch einmal auf die Unterschiede zwischen den Begriffen "Domina" und "Femdom" eingegangen bin: "Ich habe festgestellt, dass viele Leute mit dem Begriff 'Domina' eher die professionelle Domina verbinden. Private Damen, die sich von den Profis abgrenzen wollen, verwenden eher 'Femdom'. Früher war mir das egal, heute nutze ich ebenfalls eher 'Femdom', weil diese Bedeutungen einfach bei den Leuten so im Kopf sind." Das hat den Redakteur leider nicht davon abgehalten, mich im Artikel "SM-Profi" zu nennen. Seltsam. Und auch ein Widerspruch zu meiner Vorstellung im Artikel als "Hobby-Domina". Also, da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln. 

Journalistische Standards

Ich muss sagen, nach dieser Erfahrung kann ich Leute verstehen, die von "Fake-News" und "Lügen-Presse" reden. Ich denke, dass wir alles in allem eine gut aufgestellte Presselandschaft haben, in der sich die allermeisten Journalisten an Standards halten. Leider gibt es aber auch Ausnahmen. Das ist schade, denn schwarze Schafe tragen dazu bei, dass insgesamt das Vertrauen in die vierte Instanz, die freie Presse, geschädigt wird. 

Nun mag man einwenden, man dürfe an Frauenzeitschriften nicht die selben Maßstäbe an journalistische Sorgfalt anlegen wie an Nachrichtenmagazine oder Zeitungen. Doch das sehe ich anders. 

Alles in allem finde ich es ganz amüsant, als Pegging-Expertin in der Cosmopolitan zu Wort zu kommen. Ärgerlich ist jedoch, dass ich nicht korrekt zitiert werde und dass mir "Kunden" angedichtet werden. Und das, obwohl ich mehrmals glasklar darauf hingewiesen habe, dass ich keine gewerbliche Domina bin, sondern privat. 

Kommentare:

  1. ...der Redakteur hatte vermutlich zu viel Kopfkino (himself - pegged) und war nicht mehr in der Lage seine Gedanken richtig zuzuordnen.
    LG Lady Erosia

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    1. Das scheint mit eine sehr valide Erklärung :-)

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