Montag, 31. Juli 2017

Private Femdom Lady Erosia: die Regisseurin

Private Femdom: Lady Erosia
Auf die private Femdom Lady Erosia bin ich im Joyclub aufmerksam geworden. Sie hat dort ein Profil, das auf eine starke, selbstbewusste und dazu noch äußerst attraktive Frau schließen lässt, die gerne die Regie übernimmt und klare Vorstellungen davon hat, was sie will. Dass sich diese Vermutung vollauf bestätigt hat, zeigt dieses Interview mit ihr. Ich wünsche eine inspirierende Lektüre.

Interview mit der privaten Femdom Lady Erosia


Lady Sas: Liebe Lady Erosia, es ist eine schöne Tradition in dieser Interviewreihe, zunächst zu fragen, wie Du mit BDSM in Berührung gekommen bist? Wie fing das alles an bei Dir?
Lady Erosia: Eigentlich eher zufällig. Anfang 2015 lernte ich im JC einen Mann kennen. (Anmerkung von Lady Sas: JC steht für Joyclub) Zunächst schien alles ganz „normal“. Wir hatten guten, nicht gerade langweiligen Sex. Er hatte ein paar Toys in seiner Sammlung, die mir nicht besonders auffällig erschienen. Einmal stellte er sich jedoch ans Ende seines Bettes, er war nackt und ich angezogen, weil ich gerade angekommen war und hielt mir etwas Rohrstockähnliches hin und meinte grinsend „Probier doch mal!“. Ich fragte, ob er das ernst meine und er bejahte. Komischerweise brauchte ich keine zweite Aufforderung und schlug auf seinen Hintern. Das war mein Initial. Danach hat mich das Thema nicht mehr losgelassen, und ich fing an im Internet zu recherchieren, kaufte Bücher. Nachdem die theoretischen Hintergründe immer klarer wurden und ich mit besagtem Mann noch ein paar Mal spielte, meinte er, dass ich „immer besser“ würde. Ich war völlig angefixt von dem Thema. Da ich keine halben Sachen mache, wollte ich nun eine vernünftige praktische Ausbildung. Die BDSM-Manufaktur, insbesondere Madame Lisa, bot mir genau das, was ich suchte und hat maßgeblich zu meinem Spiel und meinem Auftreten als Domina/Herrin beigetragen. Denn wenn man sich „gut gerüstet“ und kompetent fühlt, hat man eine ganz andere Ausstrahlung als Herrin. In meiner Entwicklung habe ich bereits einige Spielpartner/innen gehabt und 85% aller Sessions, kann ich als mindblowing und gelungen bezeichnen. Konnte so auch festmachen, welches Spiel mir mehr oder weniger liegt. Es ist überwiegend oder nahezu eindeutig, dass ich eine dominant sadistische Neigung habe.

Ein Plot von A bis Z. 


Lady Sas: Wie hast Du Dich auf Deine erste Session als Herrin vorbereitet?
Lady Erosia: Zum einen hängt das ja in erster Linie  davon ab „wen bespiele ich und was hat derjenige für Neigungen, Wünsche, Tabus oder sogar gesundheitliche Einschränkungen?“ Und zum anderen kann ich, bzw. können wir überhaupt miteinander spielen? Deswegen treffe ich mich vorher grundsätzlich in „zivil“ an einem neutralen Ort. Da reicht ein komisches Lächeln oder ein falscher Satz und es ist vorbei. So erspart man sich peinliches. Mein Gegenüber muss in mir etwas triggern – sonst finde ich nicht in die Rolle.
Im Falle von Session Nr. 1 war es ein Switcher, der anale und Feminisierungsfantasien hatte. Dementsprechend habe ich mein „Täschchen“ mit Zubehör gepackt und hatte einen Plot von A bis Z in meinem Kopf vorbereitet. Da war dieses erste Treffen sehr hilfreich, weil klar war, dass er sich mir unterwerfen wollte und mich und meine Art sehr anziehend fand.


Lady Sas: Was kickt Dich beim SM am meisten?
Lady Erosia: Mich kickt am meisten, dass ich die Regie in der Session habe, mein Wille geschehe…(lachend). Ich liebe das Gefühl, wenn sich jemand mir schenkt, dieses bedingungslose Vertrauen und mich machen lässt (beherztes Zugreifen oder auch Hineingreifen). Es gibt Spielpartner, mit denen ist es total symbiotisch, man vergisst Raum und Zeit, ein Kokon bildet sich um uns. Meine besondere Passion gilt der Flagellation und wenn der Spielpartner ein guter Nehmer ist, fliegen wir beide. Wenn ich eine Session mit mehreren Spielern/innen leite, ist es noch erfüllender, vor allem, wenn man auf allen Gesichtern lesen kann, wie entrückt und geil alle gerade sind.
Ich freue mich ganz besonders über gelungene Tease and Denial-Spiele. Meine Mimik scheint sehr deutlich widerzuspiegeln, wenn ich „Spaß“ habe, denn die meisten Spielpartner berichten mir hinterher von meinem verzückten Lächeln.


"50-shades of shit"

Lady Erosia

Lady Sas: Gibt es auch Dinge, die Dir am SM gar nicht gefallen?
Lady Erosia: Am SM per se? Wüsste ich jetzt nichts. Man muss ja nicht alles praktizieren. Es sind eher Dom/mes, die mir dann teilweise nicht gefallen, wie sie etwas machen. Leute, die ohne wirkliche Empathie und Gefühl spielen.
Vielleicht noch Pseudo-SMmer, die sich nach 50-shades of shit „berufen“ fühlen.


Lady Sas: Bist Du in der Session in einer Rolle? Und wenn ja, wie würdest Du sie beschreiben?
Lady Erosia: Wir sind alle jeden Tag in mehreren Rollen: in der Familie, im Job, beim Sport, im Verein, usw. Es deutscht sich gerade immer mehr der Begriff „Rolle“ als Synonym für „Aufgabe“ oder Position in einem Unternehmen ein. Genauso verstehe ich meine Rolle als Herrin, die so gesehen auch bestimmte Tätigkeiten und Verantwortungen enthält.
Ich nehme gerne die Metapher, dass ich meine Schwingen um die mir „Anvertrauten“ (also Spielpartner m/f) ausbreite, sie halte und sie sich jederzeit darin fallenlassen können. Meine Rolle ist auch, jederzeit genau zu wissen, was in ihnen vorgeht, ob sie noch können oder eine Pause brauchen. Deswegen spiele ich auch nicht mit Codewort.


Lady Sas: Wie möchtest Du in der Session angesprochen werden? Und warum?
Lady Erosia: Das variiert durchaus je nach Spielpartner (m/f). Meistens „Herrin“ oder „Mistress“.

Der optimale Spielpartner.


Lady Sas: Welche Eigenschaften hat Dein optimaler Spielpartner? Worauf kommt es Dir an?
Lady Erosia: Der optimale Spielpartner (m/f) ist zu einem großen Anteil masochistisch veranlagt und kann die Schmerzen meditativ nach innen nehmen. Ich stehe überhaupt nicht auf lautes Schreien, das nimmt mir die Lust. Wenn er/sie dann auch noch schmerzgeil ist und man sie im Wechselspiel Schlagen/Erregen hochpegeln kann = perfekt. Man passt natürlich besser zusammen, wenn sich die Neigungen ergänzen und man ähnlich tickt. Das merke ich relativ schnell…
Jemand, der überwiegend devot ist, reizt mich nicht. Ebenso Männer, die sich als „Lustsklave“ anbieten und den Wunschzettel gleich mitschicken, wie sie benutzt werden möchten – geht gar nicht.


Lady Sas: Du spielst mit Männern und Frauen. Worin bestehen für Dich die zentralen Unterschiede?
Lady Erosia: Ein zentraler Unterschied ist, dass Frauen, bis auf wenige Ausnahmen belastbarer sind, was Schmerzen angeht. Ansonsten bestehen die zentralen Unterschiede nur anatomischer Natur.


Lady Sas: Du bist in der Session unberührbar – warum?
Lady Erosia: Das war von Anfang an mein Selbstverständnis, und instinktiv hat es mich auch nie anders „getrieben“, als so zu spielen. Zusätzlich hat es den Effekt, dass ich noch unerreichbarer bin, was das Begehren des Spielpartners noch weiter steigert.
Es gibt durchaus Männer, die damit ein Problem haben, aber dann gibt es eben keine Session.
 
Lady Erosia

Ein völlig falsches Bild von SM.


Lady Sas: Du hast gesagt, dass viele Menschen "ein völlig falsches Bild von SM" haben. Welches Bild haben sie Deiner Meinung nach und wie sollte es tatsächlich sein?
Lady Erosia: Nun, das merkt man am einfachsten, wenn man sich im Bekanntenkreis „outet“. Die Reaktionen gehen von „das passt zu dir“ bis „du bist freaky geworden“, was in dem Fall nicht als Kompliment gemeint war. Viele reagieren ablehnend im Sinne von „Ich würde niemals jemanden demütigen oder schlagen“. Das bedeutet für mich, dass diese Leute nicht wissen, um was es im SM geht, dass ja wirklich sehr viel Nähe und Gefühl im Spiel ist, dass insbesondere der Sub (m/f) nicht gegen seinen erklärten Willen verhauen oder sonst was wird. Es ist vielleicht ein bisschen hip geworden durch 50-shades of shit, jedoch hat das für meine Begriffe nichts mit der Tiefe zu tun, die dabei wirklich entstehen kann, sondern ist nur oberflächliche Trendhopperei.
Ein weiterer Punkt ist, dass Vanilla-Männer mit Frauen, die in derart spielen, nichts zu tun haben wollen. Was es bei einer potenziellen Partnerschaftsanbahnung nicht einfacher macht, jedoch zeigt, dass sie nicht wissen, dass man davor keine Angst haben muss. Grundsätzlich gesprochen wünsche ich mir etwas mehr Offenheit und Neugierde diesen Neigungen gegenüber und weniger Stigmatisierung als „Perverse“.


Lady Sas: Wie gehst Du mit der Verantwortung um, die Du als Femdom hast? Ist das manchmal eine Belastung?
Lady Erosia: Gar nicht. Das Feedback von Spielpartnern (m/f) bestätigt das.


Lady Sas: Welche Bedeutung hat der Strap-on für Dich, wenn Du mit einem männlichen Sub spielst? Was fühlst Du, wenn Du ihn nimmst?
Lady Erosia: Strap-on, sehr feines Thema. Ich hatte den Gedanken an einen Umschnalldildo schon, als ich nicht wusste, dass es BDSM überhaupt gibt. Diese Fantasie gibt es schon recht lange in mir. Im Zuge der praktischen Ausbildung und auch bereits bei den ersten Spielen, haben mich die analen Praktiken interessiert. Und ganz ehrlich? Einmal selber einen echten Schwanz haben? Das wäre total interessant – würde ich sofort machen, wenn das ginge.
Im Spiel mit dem Strap-on ist es natürlich eine wunderbar dominante Position, ihn ass-up face-down zu nehmen. Je nach Geschirr gibt es entsprechende Variationen, welche Region man reizen möchte. Mein Gefühl dabei ist zum einen von der erhabenen Machtposition beeinflusst als zum anderen von den Reaktionen, die ich mit meinem Tun hervorrufe.

Lady Erosia über die Welt der Profi-Dominas.


Lady Sas: Wie siehst Du die Welt der Profi-Dominas und SM-Studios?
Lady Erosia: Respekt für die Damen, die das beruflich machen können. Können aus dem Grund, weil ich es mir nicht leicht vorstelle, immer die „einmalige und besondere“ Session oder zumindest die Illusion dessen für jeden Gast abliefern zu können. Ich glaube, das Blatt dreht sich, wenn man performen muss. Wird es dann zu einem Dienst, wie z.B. ich gehe zur Kosmetikerin oder zum Physiotherapeuten? Also wird es dann ein bisschen oder völlig seelenlos?
Ich habe einmal in einem Studio einen Tag hospitiert, weil ich wissen wollte, wie es dort abläuft. Leider war sehr wenig los, so dass dieser Tag nicht repräsentativ war. Es öffnet jedoch insofern die Augen, als das es eben auch wirtschaftlich sein muss, was man da tut und betreibt.
Prinzipiell ist meine Einstellung dazu: gut, dass es sie gibt! Schließlich finden dort viele Leute mit entsprechenden Neigungen Befriedigung und können dort ihre nicht-Gesellschafts-konformen Fantasien ausleben.
Bei einigen Männern im JC, die mich anschreiben, habe ich das Gefühl, sie „versuchen ihr Glück“, um sich eine Profi-Domse zu sparen. Diese Konversationen enden recht schnell mit dem Verweis, sich an ein Studio zu wenden.
Lady Erosia


Lady Sas: Wie kommst Du auf neue Ideen für Deine Sessions?
Lady Erosia: Das hängt vom Spielpartner und meiner Laune ab. Man hat ja nicht immer Lust auf das Gleiche oder man entwickelt ein angefangenes Thema weiter? Oder man bezieht mehrere Leute ein und überlegt sich ein Setting? Mir fällt eigentlich immer etwas ein…


Lady Sas: Was wolltest Du beim BDSM schon immer mal erleben?
Lady Erosia: Hm, da fällt mir nichts Spezielles ein. Es gibt eher noch Szenarien, die ich gerne umsetzen möchte.

Warum gibt es so wenig dominante Frauen?


Lady Sas: Woran könnte es liegen, dass es gefühlt so wenig dominante Frauen gibt?
Lady Erosia: Vermutlich gibt es wirklich weniger dominante Frauen, weil wir doch überwiegend die althergebrachte Rollenverteilung in der Gesellschaft haben. Und wie ich weiter oben antwortete, ist man vielleicht in der „Szene“ damit gut unterwegs, aber keinesfalls im normalen Alltag. Man wird doch eher kritisch beäugt.


Lady Sas: Verrate uns etwas über Deine Freizeit. Hast Du Hobbys?
Lady Erosia: Durchaus, Freizeit gibt’s ;). Ich bin gerne draußen in der Natur zum wandern oder nehme mal die Kamera mit. Ansonsten treibe ich Sport im Fitnessstudio.


Lady Sas: Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Lady Erosia: Da gibt es keine konkreten Pläne. Ich lasse mich treiben und versuche, den Alltagsstress so gering wie möglich in meine Freizeit zu lassen.


Lady Sas: Vielen Dank für diesen Einblick.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen