Samstag, 8. Juli 2017

Gefahren beim BDSM

Im letzten Interview hat Sklave Thomas angeregt, ich solle doch auch mal auf die Gefahren beim BDSM eingehen. Ich finde das eine gute Idee. Allerdings ist dieses Thema so umfangreich und vielschichtig, dass ich es hier nur grundsätzlich behandeln kann. Am wichtigsten erscheint mir dabei vor allem die Festststellung, dass es beim BDSM um Rollenspiele unter Erwachsenen handelt. Das bedeutet – und das sollte nie vergessen werden: Top und Sub bleiben als Menschen immer auf Augenhöhe. In ihrer Beziehung gibt es immer den gegenseitigen Respekt und die gegenseitige Wertschätzung und Höflichkeit. 


Die Verantwortung der Herrin

Erst im Rollenspiel wird die Frau zur Herrin und der Mann zum Sklaven und ein Machtgefälle kommt zum tragen. Dabei darf die Herrin nie vergessen, dass sie nun die Verantwortung für den Sub übernimmt. Es ist eben NICHT so, dass sie als Herrin nun schalten und walten könnte, wie sie will. Diese Zeiten sind – zum Glück – lange vorbei. Das war vielleicht mal in den Urzeiten der Menschheit so, wo Könige und Königinnen tun konnten, was sie wollten. Heute aber geht das nicht mehr. Und das ist gut so.

Natürlich ist es wenig sinnvoll diese Tatsache im Rollenspiel zu betonen, denn das Rollenspiel Herrin – Sklave lebt wesentlich von der Illusion, dass die Herrin über alles bestimmen würde. Ich möchte diesen Beitrag dazu nutzen, die Damen daran zu erinnern, welche Verantwortung sie gegenüber ihrem Sub haben. Ich denke aber, nahezu allen ist es ohnehin klar. Ich glaube, Frauen verfügen (in den meisten Fällen) über ein gutes Einfühlungsvermögen und wissen um ihre Verantwortung. In meinen Büchern spare ich dieses Thema nicht aus, im Gegenteil, ich betone es immer wieder. 


Auf Zeichen des Subs achten

Für eine Femdom ist es ganz wesentlich, aufmerksam und ständig auf Zeichen des Subs zu achten. Die zentrale Frage in der Session ist eben nicht nur: "Gefällt mir das?", sondern eben auch "Geht es meinem Sub gut?". Wichtig ist, dass der Sklave selbst im fixierten und geknebelten Zustand jederzeit in der Lage ist, sich bemerkbar zu machen und Handlungen ablehnen zu können. Denn das Spiel muss jederzeit sicher und einvernehmlich erfolgen. Zwang ist absolut abzulehnen. Was wäre das auch für eine armselige Herrin, die Zwang nötig hat? Die Herausforderung für die Femdom ist vielmehr, den Sklaven dazu zu bringen, alles gerne für sie zu tun. 

Oft genug geht die Verantwortung so weit, dass die Herrin den Sklaven vor sich selbst schützen muss und seine Wünsche ablehnen muss. Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung liefert etwa der Wunsch meines Subs, sich mit einem Tattoo als mein Sklave kennzeichnen zu lassen (siehe "48 Stunden BDSM"). Im ersten Moment ein Riesenkompliment für mich, dass seine Leidenschaft so weit geht. Aber man muss eben auch für den Sub weiterdenken. Und dann kommt man unter Umständen zu dem Schluss, dass dieser Schritt zu weit geht und man den Sub vor sich selbst schützen muss, wenn mal die Pferde mit ihm durchgehen. Dies betrifft auch Praktiken, bei denen sich der Sub vor lauter Lust in einen Rausch steigert und "fliegt". Das ist gefährlich und es bedarf einer erfahrenen Herrin, dem Grenzen zu setzen. Dieser Rauschzustand kann auch die Femdom selbst treffen, etwa bei einer Abstrafung. Sich selbst unter Kontrolle zu halten, ist einen große Aufgabe und Herausforderung, gerade, wenn man gerade so schön in Fahrt ist und es Spaß macht.


Viele Praktiken, viele Risiken

Ich möchte jetzt nicht auf einzelne Praktiken eingehen. Sicher lauern etwa beim Bondage (Fesselung) Gefahren und Risiken. Die Blutzirkulation muss ständig problemlos möglich sein, um nur einen Punkt herauszugreifen. Es würde aber zu weit führen, das umfassend in einem Artikel behandeln zu wollen. Deshalb mein Aufruf: Nehmt das Spiel nicht zu leicht. Als Herrin muss man sich seiner Verantwortung bewusst sein, als Sub sollte man sich die Herrin gut aussuchen und auch an seine Sicherheit denken. Wer etwas nicht will, sollte sich sofort so klar wie möglich bemerkbar machen und nicht stumm leiden. Denn am Ende geht es um ein Spiel, das beiden Freude bereiten soll und das jederzeit sicher ablaufen muss. Nicht umsonst gibt es das Konzept von "safe, sane, consensual": sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich.

In diesem Sinne: Enjoy!

Herzlich,
Lady Sas



Kommentare:

  1. Ich finde Ihren letzten Beitrag, über die Gefahren beim BDSM, sehr gut und
    halte ihn auch für wichtig, um auf etwas hinzuweisen, was passieren könnte,
    aber nicht muss, denn man steckt ja nicht immer drin, wie Dinge sich
    entwickeln und welche unvorhersehbare Eigendynamik sich Bahn brechen könnte.

    Ich selbst, bin ein einziges mal auf das Angebot eines Paares, die ich
    kennen gelernt hatte in einem Swingerclub, eingegangen und habe mich mit einer Freundin, diesen Paares, die Ihre SM Leidenschaft, als Herrin, ausgelebt hat, neben Ihrem normalen Beruf, getroffen.

    Es ist zwar grundsätzlich nichts schlimmes passiert, aber gewisse Absprachen
    wurden nicht eingehalten, weshalb das Ganze, für mich letztlich eigentlich
    nur Stress war, auch wenn es nur 30 Minuten waren, die vereinbart waren,
    aber an fallen lassen, war für mich nicht im geringsten zu denken.

    Da ich aber auch ein normales Leben habe und darin die Verantwortung für
    einen noch nicht erwachsenen Sohn, da meine Frau an Krebs verstorben ist,
    habe ich von weiteren realen Aktivitäten in dieser Richtung Abstand genommen
    und beschränke mich auf einen reinen Online Kontakt, da hier einfach
    kein Risiko besteht.

    Diesen Online Kontakt habe ich, mit zwei Unterbrechungen, seit fast vier
    Jahren, weder weiß ich wie diese Person aussieht, noch kenne ich Ihren realen Namen, oder weiß wo Sie wohnt und ich kenne auch keine Telefonnummer.
    Ich habe auch niemals in dieser Richtung etwas gefragt, weil es so wie
    es jetzt ist, völlig gefahrlos ist und nichts aus dem Ruder laufen kann.
    Das einzige was ich weiß ist das Sie ca. 700 km entfernt lebt.

    Es ist schwierig, eine Herrin kennenzulernen und Sie dann richtig
    einschätzen zu können, man müßte sich schon länger kennen um zu wissen wie der andere ist, das ist und bleibt aber mehr als schwierig, deshalb ist es glaube ich oft am einfachsten, wenn Ehepaare, irgendwann Ihre Beziehung in eine FLR ändern, wenn diese Neigungen vorhanden sind, oder sie diese bei sich entdecken, denn man kennt sich lange und es ist dann meistens auch ein großes Vertrauen zueinander da.

    Und da ich gelesen habe, das sich langsam immer mehr in bestimmten
    Kreisen der RACK Standard etabliert und den SSC Standard langsam in den Hintergrund drängt, halte ich ihren Beitrag im Blog für ausgesprochen wichtig, da Ihr Blog ja doch von sehr vielen gelesen wird .

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  2. Hallo Lyra56,
    danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
    Sehr interessant zu lesen.
    Viele Grüße,
    Lady Sas

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  3. Guten Morgen Lady Sas,

    vorweg: Dies ist vielleicht nicht der passende Eintrag für den Text, allerdings war ich mir nicht sicher, wo der Text am besten hingehören würde, daher poste ich es der Einfachheit halber einfach hier:

    Ich bin auf Ihren Blog vor einigen Monate gestoßen, als ich mich aus Interesse per Google auf die Suche gemacht habe, um eben genau das zu finden: Einen Blog, der Einblick in die Szene gibt. Da ich meine Neigungen aktuell nicht ausleben kann (da hierfür kein Raum innerhalb der Beziehung ist) und auch keinen Kontakt zu Gleichgesinnten habe, sind die Berichte hier sehr interessant, vor allem die zahlreichen Interviews mit Dominas und auch Sklaven sind sehr lesenswert, da sie nicht zuletzt auch die Vielfalt des kompletten Themenbereichs zeigen.

    Tatsächlich finde ich den Blog so lesenswert, dass ich fast jeden Tag einen Blick riskiere. Könnte ja sein, das schon wieder ein neuer Eintrag da ist ;)

    Ich glaube, ich möchte eigentlich nur auf Folgendes hinauf: Danke, dass Sie jemandem, dessen Neigungen sich aktuell nur im Kopf abspielen, die Möglichkeit geben, so zumindest einen kleinen, aber auch kurzweiligen Einblick in die Szene zu geben.

    Herzlichste Grüße aus Köln,

    Chris

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  4. Hallo Chris,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Heute gibt es tatsächlich wieder einmal einen neuen Beitrag auf dem Blog: nämlich Deinen.
    Herzliche Grüße,
    Lady Sas

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    1. Guten Morgen Lady Sas,

      danke für die netten Worte :)

      Herzliche Grüße

      Chris

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  5. Ich möchte mich bedanken das Sie meine Idee aufgegriffen haben und etwas über die Gefahren im BDSM geschrieben haben ! Sicherlich könnte man ein ganzes Buch zu diesem Thema schreiben aber ich finde das Sie in diesem kurzen Text alles wichtige gesagt haben worauf es ankommt. Merci !

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