Freitag, 29. Januar 2016

Sadomaso – jeder fühlt es anders

Gestern erhielt ich eine E-Mail von einem Sklaven. Er habe meine Bücher "Plötzlich Domina" und "Sklaventraining" gelesen, schrieb er mir. Dann stellte er seine Situation und Entwicklung als Sklave dar, weil das wichtig sei um seine Ausführungen zu den Büchern verstehen zu können.
Nun ja, diese Hintergründe gehören zumindest nicht in diesen Blog-Post, sind aber auch nicht notwenig, um seine Haltung verstehen zu können. Ich nenne keinen Namen, der Sklave soll natürlich anonym bleiben, Ehrensache. Einen kurzen Auszug aus der Mail gebe ich aber wider. 


Er schreibt:
"Vieles davon deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen, anderes dagegen trifft überhaupt nicht zu.
Das Hauptproblem all dieser Bücher scheint mir zu sein, dass sie immer aus der Sicht des dominanten Parts verfasst werden. Deswegen wird alles, was der Sklave / die Sklavin tun muss, als demütigend und erniedrigend dargestellt. Das ist schon vom Ansatz her grundfalsch!

Kein körperlich und geistig gesunder Mann wird sich über längere Zeit demütigen und erniedrigen lassen. Wenn er das tut, was seine Herrin von ihm verlangt, dann tut er das, weil er es selbst will, weil es ihn stolz macht, seiner Herrin zu dienen. Er fühlt sich keinesfalls gedemütigt, sondern ganz im Gegenteil als wichtig und bedeutend und es macht ihn glücklich, seiner Herrin zu Willen zu sein!"

Amüsant, das muss ich schon sagen. 
Meine Meinung ist: Es gibt keine starren So-muss-das-sein-Regeln bei Sadomaso-Spielen. Es gibt kein Gesetzbuch, das sagt: Du musst SM oder D/S so leben und so fühlen, wie es hier drin steht. Jeder kann tun und lassen, was er möchte – solange der andere zustimmt und solange man Tabus einhält, klar. Der eine Sklave fühlt sich von einer Ohrfeige erniedrigt und liebt dieses Gefühl, der andere fühlt sich nicht erniedrigt, sondern ist stolz, wieder ein anderer interpretiert es vielleicht noch einmal anders. Das ist völlig in Ordnung so.


Sadomaso: Jedem seine Sicht.


Mir persönlich gefällt es nun mal meinen Sklaven zu erniedrigen, es kickt mich einfach. Als Autorin schreibe ich das dann so auf, wie ich es empfinde. Ich lebe als Femdom, also schreibe ich auch aus meiner Perspektive und nicht aus der des Sklaven, das ist ja wohl nachvollziehbar. Lesen kann ich gut, Gedanken lesen allerdings nicht. 
Es ist mein Ansatz. Und wem dieser Ansatz nicht passt, dem empfehle ich, meine Bücher eben nicht zu lesen. Wir leben in einem freien Land, niemand wird zu etwas gezwungen. 

"Kein körperlich und geistig gesunder Mann wird sich über längere Zeit demütigen und erniedrigen lassen."
Das bestreite ich ganz entschieden. Viele Männer lieben es, in die Rolle eines Sklaven zu schlüpfen und genau dieses Gefühl auszukosten. Gern auch über Jahre oder Jahrzehnte. Die sind allesamt körperlich und geistig gesund. Sie lieben eben dieses Rollenspiel. So what. Der eine spielt in einer Theatergruppe, der andere spielt eben mit seiner Herrin. Beides ist in Ordnung und nicht krank. 

So. Jedem seine Meinung. Das ist meine. Und ich habe nicht vor, sie zu korrigieren. 

Die dargestellte Sicht in meinem Buch "Sklaventraining" erhebt nicht den Anspruch, ein Gesetzbuch zu sein. Das habe ich immer wieder betont. Es ist vielmehr eine Hilfe für Sklaven, die noch nicht sicher in ihrer Rolle sind oder gerade erst anfangen. Gerade für Anfänger ist es hilfreich, die wesentlichen Dinge zu erfahren, die zumindest in SM-Studios so angewendet werden. Jeder kann mit der Zeit seinen ganz eigenen SM-Stil entwickeln. Aber am Anfang braucht man eben etwas Hilfe. Dafür ist dieses Buch da. Ende der Durchsage.  

Mit freundlichen Grüßen,
Lady Sas 

Kommentare:

  1. Zunächst möchte ich allem voran stellen, dass ich hier nur MEINE EIGENE
    MEINUNG UND SICHT DER DINGE WIEDERGEBE !!!
    Betrachtet man die ursprüngliche Bedeutung und den damit verbundenen
    progammatischen Inhalt der Begriffe "Herrin oder Domina" und "Sklave
    oder Sub", dann wird meiner Meinung nach bereits vieles klarer.
    Jede Seele eines Menschen, birgt auch Abgründe in sich, die man gerne als dunkel, oder auch düster bezeichnet, das erklärt sich damit, das
    man diese nicht offen vor jedem anderen Menschen innerhalb der
    Gesellschaft zeigen möchte, da hier ein moralisches Wertesystem
    existiert, das für sich in Anspruch nimmt, Dinge als falsch und richtig,
    als normal und krank einzustufen und was im allgemeinen, die
    überwiegende Mehrheit tut, ist richtig, oder auch normal und das was
    Minderheiten tun ist falsch, oder eben auch krank.
    Nichtsdestotrotz, existieren in unserer Seele, die Abgründe, wobei,
    ich persönlich, sie keineswegs als Abgründe empfinde, sondern lediglich
    als anders und darüber hinaus auch als sehr bereichernd und in
    vielerlei Hinsicht auch als erweiternd für den allgemeinen Horizont.
    Meiner Meinung nach, kann nur der Mensch wirklich glücklich und
    zufrieden werden, oder auch sein, der diese andere Seite der Medaille,
    die er bei sich findet, akzeptiert und in sein Leben integriert.
    Ich selbst habe über zwei Jahrzehnte, Dinge versucht zu bekämpfen,
    von denen ich dachte sie seien falsch und böse, weil bestimmte
    Moralvorstellungen, dies immer wieder propagierten und musste
    letztlich feststellen, das es Schlachten gibt, die man einfach nicht
    gewinnen kann und als ich meine Neigungen akzeptierte und Sie auch in
    meinem Leben Ihren Platz fanden, ging es mir gut und ich fühlte mich
    auf diesem Sektor komplett und nicht mehr zerrissen.
    Natürlich, kann man sich als Sklave, seine Neigung auch schön reden,
    ich bin stolz, ich mache es weil ich es will usw, aber dies führt dazu,
    das man sich so sieht als sei man auf Augenhöhe mit seiner Herrin,
    aber so funktioniert einen Herrin/Sklave, oder D/s Beziehung nicht,
    auch eine FLR läuft so nicht ab, es gibt immer ein klares
    Machtgefälle vom Top zum Bottom, also von der Herrin zum Sklaven hin
    und niemals umgekehrt, denn das wäre die Manipulation durch den Bottom.
    Bei einer echten Herrin/Sklave Beziehung, oder D/s Beziehung, oder
    auch FLR, kommt es immer irgendwann zu echter Demütigung und tiefer
    Erniedrigung und die wird auch immer als solche empfunden, aber es wird auch Lust dabei empfunden, denn auch diese Medaille hat Ihre
    zwei Seiten.
    Jeder muss nun den für ihn gangbaren Weg finden, will er Lust, ohne
    echte Erniedrigung, ist er möglicherweise bei einer privaten Herrin
    nicht am richtigen Platz, wohin gegen der, der zunächst die echte
    Erniedrigung sucht und als Beigabe, die damit verbundene Lust
    genießen kann, sicherlich bei einer privaten Herrin, am besten
    aufgehoben ist.
    das es immer aus der Sicht des dominanten Parts geschrieben ist
    halte ich auch für richtig und sinnvoll, denn der dominante Part,
    führt und bestimmt und trifft auch Entscheidungen, die dem
    submissiven Part nicht so gefallen, er sich aber trotzdem fügt
    und dem Willen seiner Herrin gehorcht.
    Abschließend sei angemerkt, ich lese viele Femdom Bücher und immer
    sind sie aus der Sicht des dominanten Parts geschrieben und bislang,
    ist mir noch kein Malesub Buch in die Finger gekommen, das aus der
    Sicht des submissiven Parts geschrieben wurde, andererseits, wenn
    ein Sklave, für all das was er tut so gelobt und herausgestellt werden möchte, das es auch jeder sieht und er sich dann letztlich auf
    Augenhöhe mit seiner Herrin fühlt, ist er dann überhaupt noch Sklave,
    oder nicht eher schon Dominus.

    Horst(Lyra56)

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  2. Hallo Horst,
    danke für Deine ausführlichen Gedanken dazu. Ich finde es auch sinnvoll, seine Neigungen nicht zu unterdrücken, sondern auszuleben. Wünsche zu unterdrücken kann auf Dauer nicht gut gehen, denke ich.
    Viele Grüße,
    Lady Sas

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